Yoga & Stressbewältigung

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist Stress Auslöser fast aller Erkrankungen und zählt somit zum größten Gesundheitsrisiko unserer Zeit. Stress blockiert uns in unserem natürlichen Zustand - dem Zustand innerer Ausgeglichenheit und vitaler Lebenskraft. Im Folgenden möchte ich mich mit dem Thema Stress auseinandersetzen und aufzeigen, was genau bei Stress in unserem Körper geschieht, wie Körper und Geist ins Ungleichgewicht geraten und auf welche Weise uns Yoga im Umgang mit Stress unterstützen kann. Bei Stress laufen im Körper verschiedene Reaktionen nach einem immer gleichen Muster ab, wobei die Intensität der Wahrnehmung und der Reaktion darauf unterschiedlich sein können. Sobald unser Gehirn Stress registriert gerät der gesamte Organismus in einen alarmierenden Zustand. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Stress tatsächlich von äußeren oder inneren Einflüssen ausgelöst wird - also auf einer realen Situation basiert - oder ob etwas nur in unserer Vorstellung bedrohlich wirkt.

Stress ist in unserer hektischen, reiz- und medialüberfluteten Zeit so normal geworden, dass wir uns kaum noch Gedanken darüber machen. Oder aber, der Stress ist so langanhaltend, dass er unsere Gesundheit bedroht, was dann dazu führen kann, dass wir nach stressregulierenden und die eigene Resilienz unterstützende Methoden suchen.  Denn Stress kann nicht komplett vermieden werden -  wir können einen Anteil an Stressoren reduzieren, doch für den Rest braucht es wirkungsvolle Methoden zum gezielten Stressabbau & Regeneration und Stärkung der eigenen Ressourcen.

Doch was sind nun die Auswirkungen, die Stress auf unser Körper-Geist-System hat?

Auswirkungen von Stress auf Nerven & Kreislauf:
Bei Stress wird das vegetative Nervensystem aktiviert und gerät in ein Ungleichgewicht - der auf Aktivität gerichtete Sympathikus wird erhöht, während der für Ruhe und Regeneration zuständige Parasympathikus, gehemmt wird. Im limbischen System in unserem Gehirn und in den Nebennieren (man spricht hier auch von der Stressachse unseres Körpers, der
Hypothalamus-Hypophyse-Nebennierenrinden-Achse) kommt es zu einer Ausschüttung von Stresshormonen, Adrenalin, Noradrenalin, Testosteron und Kortisol, welche den gesamten Organismus beeinflussen. Hierdurch erhöht sich die Atemfrequenz, Herz und Kreislauf werden belastet, der Blutdruck steigt.

Auswirkungen von Stress auf den Bewegungsapparat:
Die gesamte Skelettmuskulatur spannt sich an, dies zeigt sich durch Verspannungen, z.B. im Schultern, Nacken und Kiefer und im Rücken. Weitere muskuläre Reaktionen können Fingertrommeln, Fußwippen, Zuckungen, Zittern, Stottern und Zähneknirschen sein.

 

Auswirkungen von Stress auf das Immunsystem:
Stress belastet das Immunsystem, was eine vermehrte Infektions- und Krankheitsanfälligkeit zur Folge hat.

Auswirkungen von Stress auf unsere Denk- und Wahrnehmungsprozesse:
Unter Stress konzentriert bzw. reduziert sich unsere Wahrnehmung auf die wichtigsten Reize, jene, die den Stress auslösen. Die stressauslösende Situation wird bewertet und das objektive und klare Urteilsvermögen leidet. Negative Gedanken schießen durch den Kopf,  Konzentrationsmangel, eine Leere im Kopf und ständig um sich kreisende Gedanken sind mögliche Folgen.

Auswirkungen von Stress auf die Gefühlsebene:
Stress löst Gefühle von Überforderung und Überlastung aus, ebenso wie innere Unruhe, Ungeduld, Unsicherheit und Jähzorn, bis hin zu Ärger, Angst oder Panik – Emotionen, welche den Stress in Körper und Geist noch mehr verstärken und diese massiv belasten. Alte und uns unbewusste Erfahrungen und Prägungen wirken im Alltag wie 'Trigger' und können uns in den kleinsten, alltäglichen Situationen überreagieren lassen, massiven Stress in uns hervorrufen und zu vielen Missverständnissen und Schwierigkeiten im sozialen Miteinander führen.

Auswirkungen von Stress auf unser Verhalten:
Stress bewirkt Schlafstörungen, Antriebslosigkeit oder Rastlosigkeit, Appetitlosigkeit oder verstärkten Heißhunger auf Süßes und Fettiges, sexuelle Problemen und erhöht die Gefahr von Unfällen. Unter Stress macht sich der gesamte Organismus "kampfbereit". Doch im Gegensatz zu unseren Vorfahren, die Stress durch körperliche Aktivität (z.B. jagen von Wild) im Alltag wieder abbauten und noch auf natürliche Weise entspannen konnten, häufen wir im Alltag Stressreaktion auf Stressreaktion. Mit der Folge, dass die ausgeschütteten Stresshormone auf Dauer unsere Körperfunktionen beeinträchtigen: Immunsystem, Herz und Kreislauf, Verdauung.

Bei länger anhaltendem Stress kann Stress zur Gewohnheit werden, so dass wir Stress als unser normales Alltagsgefühl wahrnehmen.
- Yoga ist eine wirkungsvolle und wissenschaftlich bestätigte Methode für ein ganzheitliches und nachhaltiges Stressmanagement, die uns darin unterstützt, den Herausforderungen des alltäglichen Lebens ruhiger, stärker und gelassener zu begegnen:

1. Ruhe, Entspannung& Regeneration
Stress summiert sich im Alltag, was es so wichtig macht, ihn gezielt abzubauen. Yoga bietet uns dafür eine Vielzahl an Möglichkeiten: dynamische oder auch kraftvolle Übungsabfolgen in Verbindung mit einem tiefen und langsamen Atem reduzieren innere Anspannung, lassen die Gedanken zur Ruhe kommen und bringen uns körperlich, mental und emotional wieder ins Gleichgewicht. Die sanften, passiven und yinbetonten Dehnungen helfen uns dabei, loszulassen und intensiv zur Ruhe zu kommen. Diese meditative Praxis lässt sowohl körperliche als auch mentale Anspannungen buchstäblich 'dahinschmelzen', fördert unsere regenerativen Kräfte über eine gezielte Aktivierung des Parasympathikus und verhilft dem Geist zu neuer Klarheit.

2. Selbstwahrnehmung
Durch Yoga lernen wir, die Aufmerksamkeit nach innen zu richten. Dies ist nicht selbstverständlich, denn im Alltag wird diese Fähigkeit von uns nicht gefordert: hier gilt es, möglichst aufmerksam nach außen hin zu sein. Indem wir die Aufmerksamkeit nach innen richten, nehmen wir uns selbst bewusster wahr und lernen so, den eigenen Körper, seine Bedürfnisse und Grenzen zu achten und zu respektieren. Wir kennen frühzeitiger, wenn Stress übermächtig wird und etwas in uns in ein Ungleichgewicht gerät. Auf diese Weise können wir rechtzeitig gegensteuern, um unser inneres Gleichgewicht und unsere Gesundheit zu bewahren. Hirnforscher haben herausgefunden, dass das Innenrichten unserer Aufmerksamkeit unserem Nervensystem, dem Herzen und dem Gehirn die notwendige Zeit gibt, ihr Gleichgewicht oder innere Übereinstimmung wieder zu finden.

3. Achtsamkeit
Weniger in der Vergangenheit zu leben oder sich grübelnd, sorgenvoll der ängstlich mit Dingen zu beschäftigen, die in der Zukunft geschehen 'könnten' ist Ziel der Praxis von Achtsamkeit, welche fester Betandteil von Yoga ist.
Achtsamkeit lässt das Leben einfacher und klarer werden und reduziert Stress, indem wir lernen bewusst bei und mit dem zu sein was jetzt gerade - wirklich - ist. Achtsamkeit lässt uns die Zusammenhänge zu erkennen, welche zwischen Körper, Geist und unseren alltäglichen Lebensgewohnheiten bestehen. Wir nehme uns selbst bewusster wahr und können erkennen, dass unser Tagesablauf und der Rhythmus, mit dem wir unseren Tag gestalten aber auch unsere Gedanken und Gefühle eine entscheidende Rolle dabei spielen, wie entspannt und kraftvoll oder wie angespannt und energielos wir uns fühlen. Yoga und Achtsamkeit helfen uns dabei, Stress zu verringern, unser inneres Gleichgewicht zu erhalten und die Veränderungen herbei zu führen, die zu mehr Wohlbefinden und Ausgeglichenheit im Alltag führen.

4. Yoga im Alltag
Um mit Stress besser umgehen zu können, sollten Yogaübungen in den Alltag integriert werden: öfters tief durchzuatmen, zu gähnen, sich bewusst zu strecken oder gezielte kurze und ausgleichende Übungen während sitzender Tätigkeiten helfen uns dabei, körperlich als auch mental locker und entspannt zu bleiben. Effektive und alltagstaugliche Übungen  können ohne großen Zeitaufwand angewendet werden und wirkungsvoll dazu beitragen, körperlich, mentale und emotionale Spannungen zu lösen und das Nervensystem zu beruhigen. Spätestens dann, wir uns der Zugewinn dieser Übungen bewusst wird, wird es leicht und irgendwann 'normal', diese Techniken im Alltag anzuwenden. Dies liegt mit einem Zuwachs von intrinsischer Motivation begründet - unserem natürlichen  Bedürfnis nach Gesundem.

 

5. Haltung & Selbststeuerung

Ein ganz wichtiger Begriff wenn es um Stressbewältigung geht ist Resilienz Resilienz bezeichnet unsere seelische Widerstandfähigkeit. Wir verstehen darunter Eigenschaften wie Selbstbewusstsein, Optimismus, Selbstwirksamkeit  etc. - alles, was mit unserer inneren Haltung zusammenhängt. Diese bestimmt darüber, auf welche Weise wir durchs Leben gehen, wie wir äußere Umstände wahrnehmen und auf welche Weise wir von anderen wahrgenommen werden. Sehen wir uns als Opfer oder übernehmen wir Selbstverantwortung? Beklagen wir Störfaktoren oder versuchen wir diese zu verändern? Pflegen wir eine positive innere Ausrichtung oder lassen wir uns unseren Sorgen und Ängsten freien Lauf? Empfinden wir Dankbarkeit über das, was in unserem Leben ist oder schauen wir nur auf das was fehlt? Wie nehmen wir Empfindungen wie Kummer, Wut oder Enttäuschungen wahr – auf eine angemessene oder dramatische  Weise? In unserem Geist laufen ständig gedankliche Programme ab, die uns auf unbewusste und mächtige Weise beeinflussen und Stresssituationen oft dramatischer und schlimmer ‚machen‘ als sie in Wirklichkeit sind. Indem wir lernen, unsere Gedanken und  Gefühle bewusster wahrzunehmen, können wir positiven Einfluss auf solche Situationen nehmen. Durch Yoga können wir lernen, uns in herausfordenden Situationen selbst zu steuern und uns in Stresssituationen bewusst zu beruhigen. Yoga lehrt uns, dass wir unsere  innere & äußere Haltung bewusst wählen können - und darüber mitbestimmen, wie wir uns fühlen.

6. Diszplin
Um zu lernen, mit Stress umzugehen, ist Disziplin unerlässlich. Von Yogi Bhajan stammt der Satz: 'Selbstdisziplin ist kein Projekt. Es ist eine Notwendigkeit menschlichen Lebens.'. Disziplin unterstützt uns in unserem persönlichen Stress- und Energiemanagement und darin Gewohnheiten zu verändern. Disziplin kann Freude machen, wenn wir uns vor Augen führen, dass wir durch Disziplin alle Bereiche unseres Lebens verbessern. Disziplin ist ein Akt der Selbstliebe - des Bemühens um dich selbst. Leben wir mit Disziplin fällt es uns leichter, stolz auf uns zu sein und mehr Wertschätzung für uns selbst zu empfinden.

Wenn du lernen möchtest, Yoga auf eine Weise zu üben, dass es dich gezielt im Umgang mit Stress unterstützt und dich körperlich, mental und emotional ausgleicht, stehe ich dir gern auch begleitend im Rahmen eines persönlichen Coachings zu Verfügung. Auch in meinen Workshops findest du Unterstützung für deine körperliche, mentale und emotionale Balance.

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Kommentare: 1
  • #1

    Heike H. (Donnerstag, 11 Januar 2018 22:14)

    Liebe Heike
    Ich habe vor vier Jahren mit dem Yogakurs bei dir begonnen und möchte dir an dieser Stelle einfach mal dankbar erzählen, dass Yoga ein fester Bestandteil meines Lebens geworden ist, auf den ich nicht mehr verzichten kann und möchte.

    Die Art und Weise wie du „ Leben mit Yoga“ lehrst, vermittelst und lebst, gibt mir immer wieder die Möglichkeit an meiner „Gelassenheit und inneren Balance “ im Leben und Alltag zu arbeiten.

    Ich fühle mich durch Yoga wohler und bekomme durch deine Stunden
    immer neue Energie und Anregungen , sich selbst bewusster wahrzunehmen und auf mich und meinen Körper zu hören.

    Freue mich immer auf jede neue Stunde bei dir ! Danke ! �

MIT INNEREN WERTEN IN BALANCE
ACHTUNG & RESPEKT   
DISZIPLIN & HALTUNG    WÜRDE & STOLZ