Bleib ruhig und entspann dich

 

 

Wann immer wir etwas als unangenehm und bedrohlich empfinden reagieren wir. Dabei wird in weniger als einer Sekunde über unser Gehirn eine komplexe Reaktionskette auslöst, die unser Verhalten prägt und eines bewirkt: Stress.

Für unsere Vorfahren war es überlebenswichtig, sofort auf lebensbedrohliche Situationen zu reagieren, doch im modernen Alltag wird uns diese tief in uns eingeprägt Tendenz mehr und mehr zum Verhängnis und ruft gesundheitliche Schäden hervor.

 

Im Gegensatz zu unseren Vorfahren belasten uns und unser Nervensystem eine Vielzahl an äußeren Informationen, Reizen, Hektik und Stress und dies tagtäglich und in hohem Maße. Diese Vielzahl an äußeren Triggern bewirkt, dass wir ganz leicht überreagieren, in zahlreichen Situationen, die uns scheinbar bedrohlich erscheinen, die sich jedoch in den allermeisten Fällen als harmlos entpuppen, wenn wir Ruhe bewahren könnten.

 

‚Bleib ruhig und entspann dich‘ – die Fähigkeit dazu üben wir im Yoga und sie hilft uns, die Reaktionskette von Stress  zu unterbrechen.

 

Wie dies geschehen kann, möchte ich kurz erklären: in der Yogapraxis erzeugen wir bewusst ein gewisses Maß an Anspannung und Druck im Körper und regulieren es über den Atem, sodass wir trotz der Anspannung innerlich entspannt bleiben können. Bis zu einem gewissen Maß ist dies möglich.

 

Doch die Yogamatte ist nicht der Alltag, sie ist ein stressfreies Übungsfeld, in dem uns dies relativ leicht gelingt, vergleichbar mit einer Schwimmübung 'im Trocknen'. Herausfordernd und wirksam zugleich wird eine solche Praxis nur mitten im Alltag, in genau jenen Momenten, in denen wir gestresst sind und die uns (über-)reagieren lassen.

 

Interessant ist, was in solchen Momenten in unserem Gehirn passiert: der Bereich, der für Denken zuständig ist, wird regelrecht deaktiviert und dafür wird jener Bereich aktiv, der uns instinktiv reagieren lässt, um unser Überleben vermeintlich zu sichern. Jeder kennt diese Stressreaktionen: wenn wir uns in herausfordernden Situationen befinden oder wenn starke Emotionen hinzukommen denken wir nicht, sondern reagieren ganz oft einfachen nur.

 

Die Frage ist: Wie können wir auch in solchen Situationen gelassen bleiben? Gibt es eine Möglichkeit, das Gehirn 'umzuerziehen'?

 

Was es hierfür braucht, ist die gleiche Praxis, die wir auch auf der Yogamatte anwenden: wir nehmen bewusst wahr, wie die Anspannung und der Druck im Körper zunehmen und welche Empfindungen sich uns in unserem Körper zeigen. Und dabei atmen wir ruhig und langsam ein und aus, können darüber zur Ruhe kommen und uns aus der Ruhe heraus neu ausrichten.

Wie auch im Yoga braucht es eine beständige Praxis, bis dies gelingt. Und es geht nicht darum, dies in jeder Situation perfekt zu beherrschen, sondern vielmehr sich beständig darum zu bemühen. Es immer und immer wieder zu üben, so lange, bis es mit mehr Leichtigkeit gelingt, auch in herausfordernden Situationen ruhig und entspannt bleiben zu können.