Impuls des Monats

 

Zufriedenheit

 

heißt im Yoga 'santosha' - und ist jene Tugend, die der 'Schlüssel' zu unserem inneren Glück ist. Wie wir glücklich und zufrieden sein können selbst dann, wenn die äußeren Umstände nicht ganz optimal sind - darum geht es in diesem Impuls des Monats.


'Wer sich in Zufriedenheit übt, erfährt grenzenloses Glück.'


So steht es im
Yogasutra nach Patanjali 1 und so können wir es für uns selbst erfahren. Wann immer wir zufrieden sind, mit uns selbst, dem Leben oder den Menschen um uns herum, fühlt alles sich einfach leichter und glücklicher an.

 

Dies kann sich jedoch schnell ändern, sobald äußere Umstände sich wandeln, wir uns mit anderen vergleichen oder wenn übersteigerte Erwartungen und Ansprüche ins Spiel kommen. Denn unsere inneren Einstellungen sind jene Faktoren, mit denen wir selbst unser eigenes Glück boykottieren.

 

Warum Glück nicht von äußeren Dingen abhängt

 

Viele Menschen haben die Vorstellung, dass Glück von materiellem Wohlstand abhängt und dass sie glücklicher und zufriedener wären, wenn Ihre materiellen Träume Wirklichkeit würden. Amerikanische Wissenschaftler und Glücksforscher konnten dies jedoch widerlegen und eindeutig beweisen, dass Menschen, die sehr reich sind nicht wesentlich glücklicher sind als Menschen mit einem durchschnittlichen Einkommen 2.

 

Der Grund dafür ist, dass wir uns mit der Zeit an unseren Besitz und Lebensstandard gewöhnen. Alles was uns zur Gewohnheit wird, verliert schnell seinen 'Zauber' und ist dieser verloren, suchen wir wieder nach neuen Anreizen oder brauchen 'Mehr', damit sich erneut ein Gefühl von Glück einstellen kann.

 

Machen wir unser Glück von materiellem Besitz abhängig und halten uns an diesem fest, führt dies unweigerlich zu Leid, so lehrt es seit Hunderten von Jahren die Philosophie im Yoga. Und die yogische Antwort darauf ist: einen maßvollen Lebensstil zu pflegen und gleichzeitig eine innere Haltung von Zufriedenheit und Dankbarkeit zu kultivieren.

 

Interessant ist, dass die moderne Glücksforschung dies bestätigt. Der Verhaltenspsychologe Professor Richard Wisemann beschreibt in seinem Buch 'Wie Sie in 60 Sekunden ihr Leben verändern', dass ein Lebensstandard, der alle notwendigen Dinge des Lebens einschließt vollkommen ausreicht, um glücklich zu sein und dass eine Steigerung unseres Glücks nicht von einem höheren Einkommen abhängt, sondern indem wir uns in Zufriedenheit und Dankbarkeit üben 2.


Kann es wirklich so einfach sein das eigene Glück zu fördern, indem wir beständig unseren Blick auf das richten, was das Leben uns an Gutem beschert und im Gegenzug weniger über das nörgeln, was uns unzureichend und mangelhaft erscheint? Ja, wenn wir achtsam sind und nicht naiv auf den Mythos vom positiven Denken hereinfallen.

 

 

Der Mythos vom positiven Denken

 

Positives Denken beruht darauf, negative Gedanken und Gefühle durch positive Gedanken und Affirmationen zu ersetzen.

Dies ist auf Dauer jedoch ebenso wenig möglich, wie negative Gefühle, die uns Energie und Zufriedenheit rauben, einfach weg zu atmen.

Wissenschaftler konnten nachweisen, dass dies langfristig nicht funktioniert, ohne dass das Negative machtvoll in unserem Unterbewusstsein weiterwirkt, noch mehr an Einfluss gewinnt und sogar zu einer obsessiven Beschäftigung werden kann 2. Ähnlich verhält es sich, wenn wir hoffen, durch die Praxis von Yoga immer nur glücklich sein zu können und keine unguten Gefühle wie Ärger, Wut, Eifersucht oder Angst mehr zu fühlen.

 

Das Negative gehört im Leben genauso dazu wie das Positive und schnelles Reagieren auf Negatives und Bedrohliches ist für uns Menschen überlebenswichtig. Aus diesem Grund ist es neurobiologisch in uns angelegt, dass wir Negatives wesentlicher schneller und deutlicher wahrnehmen und abspeichern als Positives: 'Das Gehirn zieht alle negativen Eindrücke an wie ein Magnet, und dann haften sie an den Gedächtnisspeichern wie an einem Klettband.' (Rick Hanson, Psychologe und Meditationslehrer) 3.

 
Was unser Überleben sichert, kann unser Leben manchmal schwer machen und Glück und Zufriedenheit im Hier und Jetzt behindern. Wie kann eine regelmäßige Yoga- und Meditationspraxis dazu beitragen, auf gesunde und wirklichkeitsnahe Weise mit Negativem umzugehen? In guten wie in schlechten Zeiten eine gewisse Zufriedenheit beizubehalten? Unabhängiger und resilienter gegenüber negativen Einflüssen zu werden? Und wird nicht auch im Yoga positives Denken praktiziert?

 

 

Die Bedeutung von Akzeptanz und Gelassenheit

 

Nicht allein. Zu Yoga und Achtsamkeitspraxis gehört es auch, das, was jetzt gerade da ist, also auch negative Gedanken, Gefühle und Empfindungen ehrlich wahrzunehmen. Und im zweiten Schritt diese Empfindungen nicht zu verdrängen, zu bekämpfen oder sich übermäßig mit ihnen zu beschäftigen, sondern zu lernen, mitfühlende Akzeptanz bei gleichzeitiger Gelassenheit zu entwickeln. Die Erfahrung, die wir darüber machen können, ist die, dass das Negative nicht von jetzt auf gleich verschwindet, jedoch deutlich an Kraft und Einfluss verliert*.

 

Lenken wir zusätzlich unsere Aufmerksamkeit auf alles Gute und Förderliche, stärken wir darüber unser Glück, unsere innere Zufriedenheit und unser ganzheitliches Wohlbefinden. Die Kultivierung von Zufriedenheit, Dankbarkeit und Wertschätzung wird somit zu einer wertvollen Praxis, die uns zurück zu unserem inneren Gleichgewicht führt.

 

Yoga macht uns nicht zu besseren oder zu perfekteren Menschen. Wir werden auch trotz jahrelanger Yogapraxis in manchen Momenten unseres Lebens besorgt, ärgerlich oder traurig sein oder Fehler machen. Jedoch ist Yoga ein Weg, um auf ehrliche und förderliche Weise mit all dem umzugehen und um auf Dauer mit mehr Gelassenheit, Leichtigkeit und Zufriedenheit zu leben.

 

Es lohnt sich, die Praxis von Zufriedenheit, Dankbarkeit und Wertschätzung über einen längeren Zeitraum hinweg in den eigenen Alltag einzuladen und zu beobachten, was sich darüber verändern kann. Welches wirkungsvolle Tool Sie dafür nutzen können, um dauerhaft zufriedener, glücklicher und resilienter zu werden, wie Sie gelassen Ihren inneren Glückssaboteuren begegnen und wann Unzufriedenheit ein wichtiger Wegweiser hin zur Veränderung ist, wird das kommende Thema in meinem Yogaunterricht sein.

 

Auf Wunsch unterstütze ich Sie zu diesem Thema auch gern mit meinem Personal Yoga Angebot.

 
In herzlicher Verbundenheit, Ihre Heike Razaq

 

 

* Dies hat natürlich Grenzen und macht unter Umständen, wie bei schweren traumatischen Erfahrungen oder psychischen Erkrankungen, professionelle Hilfe erforderlich. Die Praxis von Achtsamkeit findet auch in einigen modernen Therapieformen Anwendung.

1 aus Su Busson, 'Ich.Bin.Jetzt.', Verlag Orac, Kremayr & Scheriau Verlag

2 aus Richard Wiseman, 'Wie Sie in 60 Sekunden Ihr Leben verändern' Fischer Verlag

3 aus Anna Tröckes, 'Yoga-Glück' GU Verlag