Juli 2026
In einer Welt voller Informationen, verführerischer Bilder und schillernder Angebote, können wir leicht den Kontakt zu uns selbst verlieren. Zu dem, was wir selbst sind, fühlen und brauchen.
Überall begegnen uns Empfehlungen, was als richtig, schön und gesund gilt – oder wie wir am besten sein sollten. Dazu zählen auch spirituelle Konzepte wie Dankbarkeit, Zufriedenheit oder positives Denken.
Das Kultivieren von Dankbarkeit kann eine wertvolle Praxis sein, um das eigene Herz zu weiten. Besonders dann, wenn wir uns in einem Gefühl von Mangel, Unzufriedenheit oder innerer Rastlosigkeit verlieren und den Blick für das Gute und Schöne aus den Augen verloren haben.
Doch Dankbarkeit ist nicht dafür gedacht, uns die Dinge schön zu reden. Sie ist nicht dazu da, Enttäuschung zu überspielen, Traurigkeit wegzudenken oder schwierige Gefühle sofort in etwas Positives umzudeuten. Nicht alles, möchte sofort gelöst, erklärt oder positiv betrachtet werden. Manches möchte zunächst einfach wahrgenommen und anerkannt werden. Traurigkeit darf sich traurig anfühlen. Erschöpfung erschöpft. Enttäuschung enttäuschend. Und Freude freudig.
Dankbarkeit verliert ihren Wert nicht dadurch, dass wir auch Schmerz, Unsicherheit oder schwierige Gefühle wahrnehmen. Doch wenn Dankbarkeit zu einer allgemeinen Haltung wird, zu einem Anspruch oder Ideal, dann kann etwas Wichtiges verloren gehen: Der Zugang zu unserer eigenen Wahrnehmung und zu jener leisen inneren Stimme, die spürt: Das fühlt sich für mich richtig und stimmig an.
Mit den Werten, die mich und meine Arbeit seit vielen Jahren begleiten, möchte ich Dir kein weiteres Konzept und keine neuen Regeln anbieten. Diese Werte sind kein Ideal, das erreicht werden muss, sondern eine Erinnerung. Die Erinnerung, Dir selbst mit Achtung zu begegnen. Deinen Wert nicht von Leistung, Status oder Selbstoptimierung abhängig zu machen. Weniger den Wegen anderer zu folgen – und mehr dem zu vertrauen, was sich für Dich ehrlich, stimmig und wahr anfühlt. Sie sind keine Vorgaben, wie wir sein sollten, sondern ebenso wie Yoga etwas, das uns wieder zurückführt. Zurück zu uns selbst.
Von Herzen,
Heike Razaq